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Faszination
eines 3-dimensionalen Hobbys
Karton-Modellbau
ist die Kunst, maßstabsgetreue Modelle aus Karton (oder Papier)
herzustellen. Üblicherweise werden die Teile solcher Modelle ausgeschnitten,
gefaltet oder gerundet und zusammengeklebt. Das am häufigsten benutzte
Material ist ein etwa 140 - 160 g/qm schwerer Karton.

Die meisten Karton-Modelle sind als Bausatz in Form farbig gedruckter
Bogen - Modellbogen - erhältlich. Eine Sonderform sind vorgestanzte
Modelle. Natürlich können Karton-Modelle auch aus neutralem
Material vollständig nach eigenen Ideen und Entwürfen gebaut
werden.

Nahezu alles kann als Karton-Modell dargestellt werden, die beliebtesten
Objekte sind allerdings Gebäude und Fahrzeuge, wobei das Medium Karton
gerade für Gebäude besonders gut geeignet ist. Von vielen berühmten
Gebäuden gibt es Karton-Modelle. Diese sind meistens in einem Maßstab
gehalten,
der zu Modellbahnen verschiedener Spurweiten
paßt.





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Am
Anfang war das Papier
Karton-Modellbau
ist im wesentlichen die Beschäftigung
mit Papier und Schere und diese wiederum ist fast so alt
wie die Geschichte des Papiers selbst (Einer der ersten
überlieferten Bastel- oder Modellbogen stellt eine Zeltstadt
aus dem 16. Jahrhundert dar). Die Wurzeln des "modernen"
Karton-Modellbaus gegen zurück ins 15. Jahrhundert, eine
Zeit, in der Drucktechnik und Papier »zusammenkamen«.
Erste einfache Modelle waren simple, rechteckige Bilder,
die zu spielerischen oder erzieherischen Zwecken auf
Holzklötze geklebt wurden. Zunächst dominierten religiöse
Motive, während der folgenden Jahrhunderte erweiterte sich
die Bandbreite jedoch erheblich. Somit ist Karton-Modellbau,
als eine »Spezialität« modellbauerischer Aktivitäten,
Teil
des Jahrhunderte alten menschlichen Bestrebens, sich
eine
Welt im Kleinen zu schaffen.


Und des Abbildens großer Vorbilder zum Zwecke der persönlichen
»Erbauung«- aber auch um große Vorbilder »vorwegzunehmen«,
was besonders in der Architektur von großer Bedeutung war und ist.
Das »Geheimnis«des Karton-Modellbaus ist die Abwicklung der
Oberfläche eines Körpers in die Fläche, gefolgt von der
Re-Produktion aus der Fläche in den dreidimensionalen Raum. Auf der
Seite des Konstruierens bedient man sich angewandter Mathematik: jeder
noch so komplizierte Körper läßt sich prinzipiell in eine
Kombination von Kugeln, Kegeln, Pyramiden, Quadern und Würfeln zerlegen
und daher nach den Regeln der darstellenden Geometrie abwickeln. Der Modellbauer
seinerseits bedient sich Messer, Lineal, Schere und Klebstoff (und natürlich
seiner Geduld und Geschicklichkeit) um aus der Fläche wieder ein
räumliches Gebilde entstehen zu lassen. Die Transformation von
der Fläche in den Raum wird von nicht wenigen als ein wichtiger
pädagogischer Aspekt des Karton-Modellbaus erkannt. Belegt ist dies
durch die Wurzeln der Beschäftigung mit »Ausschneidebogen«
im 19. Jahrhundert. Nahezu alle damaligen Aufstell- oder Modellierbogen
hatten die Aufgabe, Wissen an die Jugend zu vermitteln. Dies und
die dem Material »Papier« fälschlicherweise nachgesagte
»Billigkeit« führten dazu, daß der Karton-Modellbau
heute oft belächelt und als »Spielzeug« abgetan wird.
Meiner Meinung nach ist die Erstellung eines naturgetreuen Abbildes auch
nicht unbedingt das primäre Ziel des Kartonmodellbaus zumindest
sollte dies nicht dessen alleiniges Dogma sein vielmehr betrachte
ich persönlich hierbei den »Weg als Ziel«. Ich gebe gerne
zu, daß moderne Karton-Modelle sich sehr weit vom reinen Lehrobjekt
entfernt haben.
Das führe ich einerseits auf das Bestreben zurück, immer perfektere
Karton-Modelle zu produzieren, deren Annäherung an das Vorbild nur
noch von den technischen Möglichkeiten des Materials begrenzt wird,
aber andererseits hat auch die Verfügbarkeit erschwinglicher Alternativen
im Modellbau zu einem Nischendasein des Karton-Modellbaus geführt.
Die seit den 50iger Jahren des 20. Jahrhunderts in West-Europa und den
USA immer populärer gewordenen Kunststoff-Bausätze haben einen
großen Anteil am Rückgang der Popularität
des Karton-Modellbaus. Trotzdem blieb die Anziehungskraft des Mediums
»Karton«, besonders in der westlichen Hemispähre, bei
vielen Modellbauern bestehen. Das zunehmende Globalisierung der Informationsmöglichkeiten
in den 80iger Jahren ließ auch das Interesse am Karton-Modellbau
wieder steigen und heute kann man Modelle aus der ganzen Welt kaufen und
bauen.
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Das
ausgehende 18. Jahrhundert zeigt uns eine besondere Spielart der Beschäftigung
mit Papier und Schere:
Das Ausschneiden phantasievoller Muster aus gefaltetem Papier wurde bei
europäischen Adligen große Mode. Kaum ein Edelmann konnte es
sich in jener Zeit erlauben, ohne eine kleine Schere in der Tasche bei
Hofe zu erscheinen, um damit der Dame seines Herzens kunstvolle Scherenschnitte
als Zeichen seiner Verehrung anzufertigen.
Die
Erfindung neuer Drucktechniken im 18. und 19. Jahrhundert - besonders
die der Lithografie im Jahre 1796 (Steindruck) - brachte eine erste weite
Verbreitung von zunächst nur 2-dimensionalen, sogenannten Aufstellbogen
mit sich. Einer der Pioniere des 19. Jahrhunderts war J.F.Schreiber
in Esslingen, ein heute noch existierendes, aktives Unternehmen (Nachf.:
"Schreiber-Bogen" - Aue-Verlag.) Gegen Ende des 19. Jahrhunderts
war bereits der 3-dimensionale Bastel- oder Modellbogen voll etabliert.
Die Motive spiegelten den bürgerlichen Geist der Gründerzeit
wider: Spielzeuge, Lampenschirme, Ofenbilder, Gebäude.
Auch die jüngere Geschichte des Karton-Modellbaus ist eng verknüpft
mit den jeweiligen gesellschaftlichen und sozio-politischen Gegebenheiten.
Zur Kaiserzeit waren Schiffe der kaiserlichen Marine Thema von Karton-Modellbogen,
wie auch die Zeppeline zur Zeit der Luftschiffahrt in den 30iger Jahren.
Die von den Jugendorganisationen des NS-Regimes in Deutschland herausgegeben
Modellbogen des NSKK und NSFK belegen deutlich, wie sehr sich eine so
harmlose Sache auch als Vehikel politischer Manipulation mißbrauchen
ließ. Auch die in der DDR in den 60iger Jahren erschienenen "Pinguin"-
und "Kranich"-Bogen mit ihren tendenziösen Begleittexten
hatten zweifellos die Aufgabe, mithilfe dieses Mediums die Botschaft von
der Überlegenheit des sozialistischen Systems zu vermitteln.
Glücklicherweise können wir uns heute von solchen Dingen unbelastet
dem Sammeln und Bauen dieser Objekte widmen und darin Entspannung vom
Alltag finden.
Fotos:
Schreiber-Bogen/Aue Verlag; ModelCard Dr. Emil Zarkov; mtp-Studio
Last
updated, July 3rd, 2010
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