Modelldesign - Fotorealistisch – oder wie?
Betrachtung zu einer Kontroverse

Fotorealistische Aussenfronten bei Architektur-Kartonmodellen haben - das deklariere ich als meine persönliche Ansicht - bei bestimmten Maßstäben den Nachteil, zu plakativ und zu flach zu wirken und für den Betrachter stets den falschen Betrachtungs-winkel zu zeigen.
Was diese bei allem Foto-»Realismus« dann wieder unrealistisch aussehen lässt.

Um überhaupt in dieser Technik arbeiten zu können, muss das »Foto« verzerrungsfrei sein und eine exakte Draufsicht auf die (z.B.) Wand zeigen. Unbestechlich wie ein Foto ist, transportiert es auch den Blickwinkel der Kamera bis hinein in die feinste Details.
Blickt man, wie das bei dieser Art von Modellen ja meist der Fall ist, leicht von oben auf das Objekt, fällt einem auf, dass der Fotografierwinkel nicht mit dem augenblicklichen Betrachtungs-winkel übereinstimmt. Das Modell mag man hin- und herdrehen, wie man will - dieser Unterschied wird - systembedingt - immer vorhanden und sichtbar sein.

Je grösser der Maßstab, umso deutlicher wird dieser Effekt.

Natürlich ist ein mittels Fotos getaltetes Modell absolut vorbildgetreu und exakt - und genau darin liegt der Nachteil fotorealistischer Darstellungen: Sie gewichten nicht, sie behandeln alle Details gleich. Und das widerum wird ein Modell, dass auf diese Technik verzichtet, stets eindrucksvoller erscheinen lassen, als ein Modell auf der Basis von Fotos.

Die »Kunst« der Modelldarstellung besteht darin, maßstabsab-hängig die wesentlichen Strukturen des Vorbildes zu erkennen und gewichtet umzusetzen. Z.B. sieht in Maßstäben 1:160 und kleiner die fotorealistische Darstellung von Ziegelmauerwerk (24 x 12 x 5 cm Ziegel) überladen und daher langweilig aus - verändert man die Ziegel-»Grösse« (vergrössert diese also im Prinzip unrealistisch) erreicht man eine erheblich ansprechendere Optik. Das gilt im Prinzip für die komplette Umsetzung: wesentliche Details
können leicht übertrieben dargestellt, weniger wichtige dagegen leicht zurückgenommen werden.

Die korrekte maßstäbliche Abbildung würde kleineren Modellen stets eine gewisse Eintönigkeit verleihen - deshalb wird häufig die oberflächenstruktur des Materials verändert, ohne dabei die Farbe zu verändern. (Ein gutes Beispiel dafür sind die Dampkessel-gehäuse von Modellbahnlokomotiven, deren Oberfläche bereits in 1:87 spiegelglatt sein müsste . . . was man aber darstellerisch niemandem zumuten wird).

Ein gelungenes Modell wird, obwohl im Prinzip unrealistisch, immer lebendig aussehen und von hoher Suggestivkraft auf den Betrachter sein.
Allein mit Mitteln der Fotografie ist das nicht zu erreichen. Je grösser der Maßstab (also umso kleiner die Modelle werden) umso eher kann meiner Meinung nach der Realismus mittels Fotografie verwendet werden.
Bei grossen Maßstäben - HO ist für mich bereits ein »grosser« Maßstab - sollte man soviel wie nur irgend möglich plastisch darstellen - und dies mit wohlproportionierter »Verzerrung«, damit das subjektive Auge was zum Sehen hat.

Welche Schlüsse sind daraus zu ziehen?

Der wohl wichtigste ist der, dass jeder das so machen sollte, wie er das für richtig hält . . .
Zwei-dimensionale Werkzeuge versagen ab bestimmten Grössenverhältnissen bei der Darstellung 3-dimensionaler Sachverhalte.
Bei einem Gebäude in der Grösse HO eignen sich fotorealistische
Darstellungen für Schilder, Wandbemalungen, Plakate, in geringem Umfang noch für Holzverschalungen. Alles andere sollte man tatsächlich wirklich 3-dimensional darstellen.

Über das, was man »sehen« kann - oder eben nicht sehen kann - wenn man durch die Fenster ins Hausinnere blickt, das könnte das Thema eines gesonderten Betrachtung sein . . .

 

 














Last updated, December 19th, 2008
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Die hier gezeigten Abbildungen zeigen:
• Querschiffgiebel des Doms zu Münster des bei Karl Kna
uer/Münster im Jahre 2004 erschienenen Kartonmodells.
• Kontrollbau der Piaggio Avanti, Verlag Modelart Emil Zarkov